Der Kampf am Fresstrog

Schweine fressen gerne, viel und eben meist wie die Schweine. Deshalb empfiehlt sich ein befestigter Futterplatz nicht nur, er ist sogar vorgeschrieben. Meine Schweine füttere ich auf einer Betonplatte, dies hat den Vorteil, dass die Futterreste gut weggewischt werden können. Allerdings ist Beton eine eher teure Lösung. Alternativ lässt sich auch ein kleines Podest aus Brettern zimmern, ein fugenloses, selbstredend, da sonst das nicht gefressene Futter zwischen die Ritzen fällt und auf dem Boden langsam und unter entsprechender Geruchsbildung verfault.

Genügend grosse Fressplätze

Das Tierschutzgesetz (siehe Link unten) schreibt die Fressplatzbreite in Abhängigkeit der Anzahl Sauen vor. Dies zu beachten ist Pflicht und hilft den Schweinen. Denn wer die Schweine beim Fressen beobachtet, stellt fest, dass da höfliche Zurückhaltung und Rücksichtnahme gegenüber den anderen Tieren am Trog eher fehlt. «Ich, ich, ich» scheint die Devise zu lauten. Naturgemäss erkämpfen sich die grossen, starken Tiere den besten Platz am Trog und geben diesen auch nicht so schnell wieder her. Damit die schwächeren und kleineren nicht in die verhängnisvolle Negativspirale geraten (weniger fressen = noch schwächer und noch kleiner = noch weniger fressen) geraten, empfiehlt es sich gerade für die Jungen eigene Tröge aufzustellen. Ein Ferkelschlupf unter dem die grossen Sauen nicht durchpassen, sorgt dafür, dass die Kleinen in Ruhe fressen können und nach und nach an Gewicht zulegen.

Weniger ist mehr

Auch Wollschweine würden gerne viel fressen, sollten sie aber nicht, da sie sonst lediglich eine dicke Fettschicht aufbauen, die sich am Schinken nicht besonders gut macht. Lardo daraus zu machen, ist zwar eine hervorragende und schmackhafte Alternative, doch der Markt dafür ist gemäss eigenen Erfahrungen eher klein. Reines Fett zu essen ist den meisten Leuten eher suspekt.

Auf meinem Hof verarbeite ich die Milch zu Käse und pflanze auch Kartoffeln. Deshalb passen Schweine gut dazu. Käse ich, erhalten die Schweine die Schotte, vermischt mit Heublumen. Die Heublumen geben etwas Boden und beschäftigen die Schweine. So nehmen die Schweine die Nahrung über eine längere Zeit auf, als wenn sie nur Schotte saufen würden. Im Herbst gibt’s dann jeweils Kartoffeln, die ich im grossen Kocher siede. Der feine Duft, der aus dem Topf strömt, hat auch schon Zivildienstleistende dazu veranlasst, eine oder zwei Kartoffeln selbst zu essen.

Im Sommer, wenn ich weder Schotte noch Kartoffeln habe, bekommen die Schweine eine Mischung aus Heublumen, Wasser und etwas Getreidemehl. Wobei das Mehl ein Spezialfutter von Lehmann Mühle in Birmenstorf ist. Tatsächlich kann ich dort nicht nur Futter für Ferkel und Muttersauen bestellen, sondern gar eines extra für Wollschweine.

Abwechslungsreicher Speiseplan

Gartenabfälle und die Essenreste aus unserem Haushalt verfüttere ich ebenfalls an meine Sauen. Gerade die Essensreste mögen sie überaus, die Begeisterung über diese Gabe ist meist viel grösser als über das ewiggleiche und wahrscheinlich für die Tiere etwas langweilige Heublumen-Wasser-Getreidegemisch. Deshalb sollte der Speiseplan möglichst abwechslungsreich sein. Ab und an lasse ich meine Tiere auch auf einem Acker oder einer Wiese weiden, dann stellen sie sich ihr Menu selbst zusammen. Auch eingewachsene Waldstücke lassen sich auf diese Weise prima auslichten. Sofern es gelingt im Dickicht einen Zaun aufzustellen, der noch Strom führt. Ansonsten sind die Schweine schnell weg.

Wasser gebe ich meinen Tieren gerade mit dem Futter oder dann in einer separaten Tränke. Doch meine Beobachtungen gehen dahin, dass die Schweine das Wasser oft stehen lassen.

Doch ob Schotte, Kartoffeln oder Heublumen, die Schweine freuen sich über alles und drohen sie vergessen zu werden, melden sie sich mit lautem quieken und grunzen.

Fasziniert stehe ich dann jeweils neben dem Trog und schaue dem Fressen zu, horche belustigt den Schmatzgeräuschen, die sie von sich geben und den wütenden oder manchmal auch etwas schmerzerfüllten Schreien.

Und obwohl sie fressen wie die Schweine – wenn der Trog leer ist, sind die Schweine auch schon wieder blitzblank sauber. Selbstreinigung nennt man das wohl.

 

- Jürg Wirth

 

www.blv.admin.ch/themen/tierschutz