Praktische Fuetterung

Praktische Fütterung

Für die meisten Halter, die Ferkel, Sauen und eventuell auch einen Eber beieinander halten (Familienhaltung), ergibt sich bei der Fütterung das Problem, dass auch die Wollschweine ihr Futter nicht schön gerecht aufteilen, sondern in der Regel der Eber den grössten Anteil kriegt, und die anderen Tiere sich um den Rest streiten können. Eigentlich müssten Sauen, Eber und Ferkel je nach Situation ganz unterschiedliche Rationen kriegen.

 

Dieses Problem kriegt man nur in den Griff, wenn den Tieren unterschiedliche Fütterungsplätze zur Verfügung gestellt werden. Vor allem ist es wichtig, dass ein Eber während der Fütterung abgetrennt werden kann. Mit relativ einfachen baulichen Mitteln kann man Ferkel, Sauen und Eber, die zusammen gehalten werden, für die Fütterung voneinander trennen. Die Faustregel lautet: Eber trennt man in der Breite ab, Ferkel in der Höhe. Anders gesagt:
Ein schmaler Durchgang, der Sauen durchlässt den Eber aber nicht, und ein niedriger Durchgang, der nur Ferkel durchlässt (Ferkelschlupf). Auf diese Weise kann individuell und optimal gefüttert werden.

 

Eberfütterung

 

Ein ausgewachsener Eber sollte grundsätzlich eher knapp gefüttert werden. Das heisst, er kriegt fast ausschliesslich Grundfutter; davon aber genügend, damit er sich satt essen kann. Ab und zu darf er mit ein wenig Brot, Mehl, Kartoffeln oder ähnlichem verwöhnt werden. Ein ausgewachsener Eber braucht keine tägliche Ration Kraftfutter.

 

Sauenfütterung

 

Die Fütterung der Sau ist nicht immer gleich sondern hängt von ihrer Situation ab. Eine Sau, die nicht trächtig oder niedertragend ist (die ersten 8–10 Wochen der Trächtigkeit), wird gleich gefüttert wie ein Eber. Hochtragende Sauen (ab 10 Wochen Trächtigkeit) kriegen bis zur Geburt zusätzlich eine tägliche Ration an Kraftfutter oder Getreide, die allerdings 1kg/Tier nicht übersteigen sollte.

 

Eine entscheidende Änderung bringt die Säugezeit. Alles was hier der Sau gefüttert wird, kommt den Ferkeln zu Gute. Wer jetzt Futter spart, kriegt mickrige Ferkel und eine spindeldürre Sau. Der Nährstoffbedarf, den die Sau jetzt hat, ist so gross, dass er unmöglich mit Grundfutter gedeckt werden könnte. Deswegen sollen säugende Sauen während mindestens 4–6 Wochen äusserst mit einem gut proteinhaltigen Kraftfutter gefüttert werden. Die Menge sollte der Wurfgrösse angepasst werden. Die Faustregel lautet: täglich 300–500 g/Ferkel.

 

Nach ca. 4–6 Wochen kann die Ration bis zum Absetzen langsam gesenkt werden. Werden die Ferkel nicht abgesetzt, soll man ihnen genügend Futter zugeben, so dass sie mit der Zeit automatisch von der Sau entwöhnt werden. Die Sau darf während der Säugezeit ruhig etwas abmagern, sie darf allerdings nie «knochig» werden (hervorstehende Beckenknochen), da sie sonst lange braucht bis sie wieder rauschig wird und viel kleinere Würfe kriegt.

 

Jungtier- oder Masttierfütterug

 

Ferkel beginnen ab der 3. Lebenswoche zu fressen, wer seine Ferkel möglichst schnell von der Muttersau entwöhnen will, kann ihnen ab diesem Zeitpunkt an einem nur für Ferkel zugänglichen Platz ein wenig Kraftfutter hinstellen. Ansonsten kann man sie einfach bei der Muttersau mitfressen lassen. Nachdem die Ferkel abgesetzt sind, also Sauen und Eber fast nur noch Grundfutter kriegen, empfiehlt es sich, die Ferkel oder Jager zusätzlich noch mit reichhaltigem Futter zu füttern (Kraftfutter, Kartoffeln etc). Bis zu einem Gewicht von 40 kg können Wollschweine ziemlich reichhaltig gefüttert werden, ohne darauf mit Verfettung zu reagieren. Ab diesem Gewicht sollte allerdings der steigende Appetit der Masttiere mit mehr Grundfutter gestillt werden. Bei einer derart abgestuften Fütterung erreichen die Wollschweine nach ca. 9–10 Monaten ein Schlachtgewicht von 60–80 kg. Wer seine Masttiere nur mit Grundfutter füttert, hat nach ca. 12 Monaten erst Tiere um die 50 kg.

 

Einige Zusatztipps zur Fütterung:

  • Wenn möglich das Futter den Schweinen in drei, mindestens aber in zwei Mahlzeiten pro Tag verabreichen. Ein einmaliges Füttern ist zu vermeiden
  • Faustregel: niedertragende Sauen knapp, hochtragende zunehmend reichlich und laktierende Sauen sehr reichlich füttern
  • Die letzten Mahlzeiten vor dem Abferkeln sollen sehr knapp bemessen sein, um die Sau zu veranlassen, Calcium-Reserven aus dem eigenen Körper zu mobilisieren. Dies ist eine wirksame Milchfieberprophylaxe
  • Ein bis zwei Tage vor der Geburt kann jeder Mahlzeit ein Esslöffel Glaubersalz zugefügt werden. Dies hilft gegen Verstopfung
  • Weizenstroh ist für Schweine am geeignetsten. Insbesondere Gerstenstroh darf nicht verabreicht werden, da die Grannen den Tieren schaden können
  • Walderde hilft den Ferkeln, die Eisenversorgung zu decken
  • Hie und da ein guter Schuss Obstessig ins Futter ist besonders für Muttersauen gesund
  • Bei leichten Verdauungsstörungen kann lauwarmer Kamillentee helfen
  • Die Muttersauen scheinen nach der Geburt einen Tee aus Kamille, Frauenmantel und Schafgarbe zu schätzen