Der Auslauf

Der Auslauf

Auf die Bedeutung eines Auslaufes für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schweine wurde bereits im Abschnitt «Ethologische Grundlagen» hingewiesen.

Selbst wenn es möglich ist, den Tieren Weidegang zu bieten, sollte auf einen wetterfesten Auslauf nicht verzichtet werden. Beim Anlegen eines solchen Platzes müssen eine ganze Reihe von Kriterien berücksichtigt werden:

 

    1. Der Auslauf soll den Schweinen nach Möglichkeit frei zugänglich sein
      Im Idealfall liegt der Auslauf direkt an der Aussenwand des Schweinestalles. Der Durchlass ins Freie soll ca. 70 x 100 cm gross sein. Eine Holzpendeltüre oder eine Gummischürze verhindert Durchzug.

 

    1. Er soll gross genug sein
      Für Sauen wird eine Mindestauslauffläche von 2–5 m2 / Tier empfohlen. In der Wollschweinehaltung, wo in den meisten Fällen nur wenige Tiere gehalten werden, kann die Fläche um einiges höher liegen. In unserem Kostenbeispiel wurde ein Auslauf von 20 m2 angenommen, der von 2–3 Sauen benützt wird.

 

    1. Der Boden muss rutschfest sein
      Hier gilt dasselbe wie im Stallbau. Um Verletzungen besonders älterer oder hochtragender Tiere zu vermeiden, muss der Boden unbedingt rutschfest sein. Will man den Auslauf nicht einstreuen und wird die Fläche betoniert, erreicht man eine genügende Rutschfestigkeit, indem man den noch feuchten Überzug mit einem Stallbesen leicht aufrauht. Ist der Boden nach einiger Zeit durch die Abnützung wieder glatt geworden, kann man mit der Trennscheibe Längs- und Querrinnen anbringen. Die Rutschfestigkeit ist so wieder gewährleistet. Noch besser aber ist es den Auslauf einzustreuen. Neben einem rutschfesten Untergrund erreicht man damit zusätzlich einen bequemen Liegeplatz, sowie unerschöpfliche Wühlmöglichkeiten. Als Einstreumaterial eignet sich ganz besonders Holzhäcksel. Er ist in den verschiedensten Qualitäten erhältlich. Der Preis richtet sich nach den verwendeten Holzarten und nach dem Rindenanteil. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Rindenanteil, desto dauerhafter die Einstreu.
      Als Preisbeispiel dient ein Gemisch aus Fichte und Tanne. Mit Rindenanteil kostet der m3 Fr. 25.–, ohne Rindenanteil Fr. 30.–. Je nach Lieferant kommen Transportkosten von ca. Fr. 50.– hinzu. Es gibt aber auch Betriebe, bei denen man den Häcksel gratis abholen kann. Man muss ihn dann allerdings auch eigenhändig laden. Hat man selber genügend Baumschnitt zur Verfügung und steht in der Nachbarschaft eine Holzhackmaschine mit Häckseleinrichtung, senken sich die Kosten auf die Höhe der Maschinenmiete.

 

    1. Der Auslauf soll leicht zu reinigen sein
      Sehr oft setzen Schweine, die freien Zugang zu einem Auslauf haben, den Kot im Freien ab. Deshalb soll der Auslauf einfach zu reinigen sein. Dazu gehört, dass er für den Tierbetreuer von aussen zugänglich ist. Je nach dem, ob der Platz überdacht ist oder nicht wird man die Einstreu in längeren Zeitabständen (vielleicht einmal pro Jahr) auswechseln müssen.

 

    1. Er muss ausbruchsicher sein
      Wie auch immer man die Umzäunung gestalten will – das oberste Ziel ist: Die Tiere damit im Auslauf zu halten.
      Die auf die Dauer billigste Lösung ist der Elektrozaun. Er ist günstig im Unterhalt und von langer Lebensdauer. Das Elektrozaungerät ist zwar relativ teuer, kann aber auch für die Weide eingesetzt werden. Nach Möglichkeit empfiehlt es sich, ein Gerät mit Netzanschluss anzuschaffen. Es hat auch bei starkem Grasbewuchs und Nässe eine hohe Betriebssicherheit, und es müssen keine Batterien nachgeladen werden. Auch optisch ist ein Elektrozaun ansprechend und bietet den Sauen eine maximale Übersicht.
      Ein Schwartenzaun ist in der Anschaffung günstiger, die Lebensdauer wird aber durch Benagen der Tiere und Witterungseinflüsse stark eingeschränkt. Gut gemacht sieht er zwar schön aus, die Tiere haben aber wenig Blickkontakt zur Umwelt.
      Armierungsnetz und Knotengitter haben einen relativ hohen Anschaffungspreis. Daneben sind sie aber dauerhaft und die Tiere können das Geschehen um sich herum beobachten.
      Alle drei Umzäunungen erfüllen bei korrekter Montage den Anspruch, die Schweine im Auslauf zu halten.

 

    1. Er soll optisch ansprechend sein
      Die beste Werbung für das Wollschwein ist es gesunde, lebenslustige Tiere in einem ansprechenden Umfeld zu halten. Da können Ausläufe rasch zur Negativ-Werbung werden.
      Ein befestigter Platz (im Idealfall eingestreut) mit einem intakten, gut gebauten Zaun, spricht den Betrachter weit mehr an, als ein Morast mit einem zusammengeschusterten Flickwerk drumherum. Dies kann besonders wichtig werden, wenn die Schweinehaltung – wie es beim Quartierschwein der Fall ist – in einem dichtbesiedelten Gebiet liegt.

 

  1. Die Anlage muss kostengünstig sein
    Es liegt auf der Hand, dass einerseits die baulichen Kosten möglichst tief liegen müssen, um die Gesamtproduktionskosten niedrig zu halten. Nur so ist es möglich, auch aus der Wollschweinehaltung einen befriedigenden Ertrag zu erhalten. Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass ein gut gebauter und montierter Stall mit Auslauf ja nicht nur für ein Jahr gedacht ist.
    Je nach Vorliebe des Halters und nach den bereits vorhandenen baulichen Strukturen wird man sich für ein bestimmtes Auslaufsystem entscheiden. Wichtig ist auch, ob jemand gewillt und in der Lage ist, selbst beim Bau mitzuhelfen. Dies kann die Kosten merklich senken.