Zuchtwesen

Zuchtwesen

Eber

 

Die Eber sind mit ca. 5 Monaten geschlechtsreif, sie sollten aber frühestens als 12 Monatige zur Zucht eingesetzt werden. Einem Jungeber soll man nur deutlich rauschige Sauen zuführen, die sicher stehen bleiben. Auch muss man daran denken, dass ein frisch erworbener Eber von der neuen Umgebung und der Futterumstellung ungünstig beeinflusst werden kann. Mit Geduld und Ruhe lässt sich das Problem aber bald meistern.

 

Hält man seine Schweine in Gruppen, läuft man Gefahr, dass die jungen Eber bereits decken, ohne dass dies vom Halter gewünscht wird. Um solche Inzuchtpaarungen zu vermeiden, muss man die Jungtiere separieren.

 

Im Umgang mit dem Zuchteber müssen unbedingt einige wichtige Punkte beachtet werden, um das Deckgeschäft reibungslos zu gestalten und Unfällen vorzubeugen. Allgemein ist es wichtig, dass man den Eber möglichst in Ruhe lässt. Ein übermässiges Herumtreiben oder gar ein Transportieren ist zu vermeiden. Ist aber das Verstellen des Ebers unumgänglich, so nimmt man sich genügend Zeit und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sehr hilfreich kann eine Blende (Brett, Novopanplatte u.ä) sein, mit deren Hilfe man das Tier dirigiert, und das einem eine angenehme Sicherheit verleiht.

 

Müssen auswärtige Sauen gedeckt werden, sollen die Sauen zum Eber gebracht werden und nicht umgekehrt.

 

Das Deckgeschäft erfolgt an einem ruhigen Ort auf trittsicherem, evtl. gewachsenem Boden.

 

Für eine gute Befruchtung ist es unerlässlich, dass der Eber den Deckakt ungestört bis zum Schluss ausführen kann und nicht von der Sau abgetrieben wird. Das Decken selber kann 10 Min. und länger dauern.

 

  • geschlechtsreife Jungtiere separieren, damit Inzuchtpaarungen vermieden werden
  • ruhiger Umgang mit dem Deckeber, kein unnötiges Treiben des Tieres
  • die Sau geht zum Eber, nicht umgekehrt
  • den Deckakt ungestört zu Ende führen lassen (verbessert die Befruchtung)

 

Zuchtsau

 

Bei der Sau kann die erste Rausche bereits im Alter von 5 – 6 Monaten eintreten. Bei Jungsauen, die zu früh gedeckt werden, ist die Gefahr gegeben, dass die körperliche Entwicklung zur Ausbildung guter Würfe noch nicht ausreicht. Die erste Belegung sollte also nicht nach dem Alter oder der ersten Rausche erfolgen, sondern nach dem Körpergewicht der Jungsau. Dieses sollte 60 kg nicht unterschreiten (entsprechend dem Alter von 12 Monaten). Ebenso nachteilig aber ist es mit dem ersten Decken zu lange zu warten. Die Sau ist dann meist schon zu fett und nimmt daher nicht gut auf, bringt weniger Ferkel und zieht diese auch noch schlechter auf.

 

  • Die Sau zum richtigen Zeitpunkt decken (60 – 90 kg), bringt bessere Zuchtleistungen

 

Paarung

 

Der Ablauf der Rausche ist auf der Seite Haltung, Abschnitt Fortpflanzung beschrieben. Die Dauer beträgt in der Regel 40 – 65 Std. Jungsauen haben eine etwas kürzere Brunst.

 

Die Paarung erfolgt am besten in der zweiten Hälfte der Brunst, weil der Eisprung gewöhnlich erst gegen Brunstende erfolgt. Den günstigsten Deckzeitpunkt kann man mit dem Reitertest ermitteln. Der Tierbetreuer setzt sich dafür rittlings auf die Sau. Bleibt diese bockstill und mit schräg nach hinten gerichteten Ohren stehen, ist der beste Zeitpunkt gefunden. Um ganz sicher zu gehen, kann man die Sau nach 8 – 12 Std. nochmals dem Eber zuführen.

 

Läuft der Eber mit den Sauen (Gruppenhaltung), erübrigt sich natürlich das Passen auf den richtigen Zeitpunkt: Der Eber ist in dieser Beziehung unfehlbar.

 

Tritt nach drei Wochen keine Rausche mehr ein, ist die Sau erfolgreich gedeckt.

 

  • für die Paarung den besten Zeitpunkt abwarten (Reitertest)
  • auch das Beobachten des Brunstverlaufs gibt Aufschluss über die Paarungsbereitschaft der Sau

 

Trächtigkeit

 

Die Mehrzahl der Sauen wirft zwischen dem 114. – 118. Tag. Die Faustregel heisst: 3 Monate – 3 Wochen – 3 Tage (oder 4 Monate minus 6 Tage). Während der Trächtigkeit muss die Sau richtig gefüttert werden (siehe Seite Fütterung, Abschnitt Praktische Fütterung 3.4) und täglich Bewegung haben.

 

  • Trächtigkeitsdauer: 3 Monate - 3 Wochen - 3 Tage
  • während der Trächtigkeit die Sau nicht zu mastig füttern
  • viel Bewegung!

 

Geburt und Wochenbett

 

Einige Tage vor der Geburt kommt es zum Anschwellen des Gesäuges und der Scham. Der Pfropfen aus zähem Schleim, der während der Trächtigkeit den Muttermund verschloss, löst sich und dringt aus der Scheide. Dies ist der Zeitpunkt, die Sau zu separieren. Häufig spritzt ca. 4 Std. vor der Geburt bei Druck Milch aus den gefüllten Zitzen. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, das Gesäuge einer Jungsau, die vor der ersten Geburt steht, zu beobachten. Der Betreuer der Sau ist gebeten, seine Beobachtungen dem zuständigen Experten, bei dessen nächstem Besuch, mitzuteilen. Diese Information ist wichtig, denn die Sau soll ja nach ihrer ersten Geburt defintiv ins Herdebuch aufgenommen werden.

 

Die ersten Wehen haben die Aufgabe, die Geburtswege zu öffnen. Bis diese für die Geburt vorbereitet sind, vergehen 3 – 6 Std. In dieser Eröffnungsphase zeigt die Sau steigende Unruhe. Nach Eintritt des ersten Ferkels in den Geburtsweg setzen die Austreibungswehen ein. Von jetzt an dauert die eigentliche Geburt 2 – 6 Std. Erstlingssauen benötigen mehr Zeit. Die Ferkel kommen im Abstand von 5 – 30 Min. Innert ca. 1 Std. nach der Geburt des letzten Ferkels sollte die Nachgeburt abgegangen sein. Häufig wird sie von der Muttersau gefressen.

 

Nach der Geburt scheidet die Sau noch 1 – 2 Tage ein wässrig-schleimiges Sekret aus dem Geburtskanal aus, welches von weisslicher Farbe und geruchlos ist. Ist dieses Sekret in Farbe, Konsistenz und Geruch verändert, deutet dies auf krankhafte Prozesse in der Gebärmutter hin (siehe Milchfieber).

 

Nach der Geburt ist darauf zu achten, dass die Ferkel so schnell wie möglich zu Milch kommen (bei Wollschweinen in der Regel kein Problem). Die Milch, die in der ersten Zeit nach der Geburt von der Sau abgesondert wird, heisst Kolostrum oder Biestmilch. Sie ist nicht nur äusserst gehaltvoll, sie besitzt auch einen hohen Anteil an Antikörpern, die das Ferkel unbedingt zur Krankheitsabwehr braucht. Da einerseits der Antikörperanteil der Biestmilch sehr schnell absinkt, und andererseits das Ferkel diese Antikörper nur kurzzeitig verwerten kann, ist es wichtig, dass die Ferkel nach abgeschlossener Geburt sehr schnell saugen können. Innerhalb von 3 Std. nach der Geburt werden nur noch 50% der Antikörper aus der Milch von den Ferkeln aufgenommen. Wie konzentriert die Biestmilch ist, zeigt die folgende Tabelle. Zum Vergleich sind die Werte für Kuhmilch ebenfalls aufgeführt.

 

Zusammensetzung von Sauenmilch im Vergleich zu Kuhmilch

 Fett
%
Protein
%
Lactose
%
Energie
kcal/kg
Normale Milch (Sau) 7 - 9 5 - 6 5 1250
Biestmilch (Sau) 7 19 2.5 2600
Normale Milch (Kuh) 4 3.6 4.8 741

 

Die Ferkel müssen sehr häufig saugen, da sie im Tag 1000 – 1 300 g Milch aufnehmen, der Milchfluss der Sau aber jeweils nur 10 – 40 Sek. dauert. Sie können deshalb pro Säugung nur ca. 20 – 50 g Milch aufnehmen.

 

Eine Sau mit 10 Ferkeln produziert bis 10 kg Milch pro Tag. Die höchste Leistung erbringt sie ungefähr in der dritten Woche. Später geht der Milchfluss langsam wieder zurück. Einer solch hohen Leistung kann natürlich nur eine sehr gute Fütterung gerecht werden.

 

  • gebärende Sauen im Auge behalten: Geburtsschwierigkeiten, Abgang der Nachgeburt, Sekretfluss aus der Scheide
  • Neugeborene Ferkel brauchen nach Abschluss der Geburt sofort Milch. Biestmilch ist nicht nur hochkonzentrierte Nahrung, sie schützt die Ferkel auch vor vielen Krankheiten.
  • reichliche Fütterung der Sau mit Kraftfutter oder Getreide, pro Ferkel 300 – 500 g/Tg. während 4 – 6 Wochen, dann langsam reduzieren, Grundfutter nur noch als Sättigung.